Demokratur?

Posted Oktober 2, 2009 by gedankenmulde
Categories: EU, Geschichte, Politik

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Nun ists ja schon mehr als eine Weile her, dass ich zuletzt gepostet habe. Ich denke, die irische Abstimmung über den Lissabon-Vertrag ist ein guter Anlass, diesen Blog wiederzubeleben:

Auch wenn es am Vertrag von Lissabon im Detail sicher einiges auszusetzen gibt, ist er in Summe ein wichtiger Schritt zur weiteren Integration und Demokratisierung der EU, und dementspreched ist er nicht einfach nur begrüßenswert sondern geradezu notwendig für die Emanzipierung Europas.

Nichts desto trotz bleibt angesichts des wiederholten Referendums in Irland ein schaler Nachgeschmack übrig. Der Eindruck, es werde so lange abgestimmt, bis das Resultat genehm ist, lässt sich trotz der geänderten Situation (Wirtschaftskrise), den Abänderungen am Vertrag und den Beteuerungen, es werde keine weitere Abstimmung geben, nicht ganz ausräumen.

Die Frage die sich stellt: Ist das Demokratie-Versprechen, das vom Vertrag ausgeht, überhaupt Ernst zu nehmen, wenn bereits der Weg dorthin um die bestehenden demokratischen Mittel herum führt? Vielleicht ist eine nationalstaatliche Volksabstimmung nicht das geeignetste Instrument, eine neue supranationale Politstruktur zu schaffen oder zu verändern.  Zum einen, weil dies nur auf einer europäischer Ebene wirklich angemessen wäre. Das Absurde an der momentanen Situation ist doch, dass es einem Land (oder einigen wenigen Ländern) möglich ist, die überwiegende Mehrheit der Union in politische Geiselhaft zu nehmen.

Zum anderen wird von Vertragsgegnern gerne vorgebracht, die Ratifizierung oder eben Nichtratifizierung des Vertrages besäße höhere Legitimität, wenn diese auf direktdemokratischem Wege zustande gekommen sei. Man könnte jetzt ausgiebig streiten, ob ein von gewählten Repräsentanten eines Staates gefasster Beschluss weniger gilt als eine Abstimmung der Bürger selbst. Man könnte Obrigkeitsinteressen ins Feld führen und diesen mit der Populismus-Gefahr kontern…
Am Ende jedoch handelt es sich bei beiden um eindeutig demokratische Mechansimen, mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen. Jeder für sich besitzt Gültigkeit.

Und trotzdem! Müssen wir davon ausgehen, dass die halbseidenen Methoden, über die Der Lissabon-Vertrag wohl zustande kommen wird, die Errungenschaften die damit verbunden werden, torpedieren?
Ich habe mir in dem Zusammenhang die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung angesehen, weil es hier ebenfalls um einen Systemwechsel geht, der von der alten (übrigens ebenfalls demokratisch organisierten) Ordnung nicht gedeckt ist. Jefferson argumentiert von einem Standpunkt der Menschenrechte aus, warum so ein Wechsel explizit zulässig ist. Und genausowenig wie der britische Paralmentarismus geeignet war, die koloniale Situation gerecht zu werden, sind offenbar nationale Systeme dazu geeignet zu einer supranationale Politik zu führen.
Die demokratiepolitische Unschönheit, die sich durch die wiederholte Abstimmung in Irland ergibt, ist da vielleicht ein Wehrmutstropfen, wie man aber an der Geschichte sieht, deshalb nicht die Sollbruchstelle für die Entwicklung eines neuen Systems. Und ohnedies ist der Wandel in Europa ein stetiger unter größter Berücksichtigunge der bestehenden Politiken und längst keine Revolution.
Allein das Einstimmigkeitsprinzip bei der Umsetzugn des Vertrags von Lissabon, zeugt davon. Für die Annahme der amerikanischen Verfassung war eine qualifizierte Mehrheit unterzeichnender Staaten ausreichend.
Morgend wissen wir mehr…

It’s… Wirtschaftskrise!

Posted November 24, 2008 by gedankenmulde
Categories: Geschichte, Politik, Wirtschaft

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Ja, vor ein paar Monaten hat alles noch ganz anders ausgesehen. Und obwohl jeder, der es nur gewollt hätte, sich eigentlich hätte ausrechnen können was auf uns zu kommt, nimmt sich der vergangene Sommer wie eine ganz andere Zeit aus.
Allerorts wird jetzt über die Gier geschimpft. Gemeint sind natürlich die bösen Finanzkapitäne (wobei borniert natürlich das treffendere Attribut wäre). Interessant finde ich dabei die theologisch-moralische Komponente in der Diskussion um die Gier. Der Vorwurf dient dazu, „denen da oben“ ein persönlich verwerfliches bzw. sündhaftes Verhalten anzulasten, für das sie, wenn schon nicht im Hier und Jetzt, so spätestens im Jenseits (weil Todsünde) die gerechte Strafe erwartet. Wenn von der Gier gesprochen wird, schwingt also irgendwie auch eine Spur der Ohnmacht mit.

Und tatsächlich gilt in sachlich Ernst zu nehmenden Kreisen als ausgemacht, dass die gegenwärtige Krise vom Fehlen regulativer Mechanismen in der Marktwirtschaft verursacht wurde, bzw. vom Versagen solcher Mechanismen. Der Gier ist sozusagen Tür und Tor geöffnet.
Doch wieso fehlen diese Mechanismen überhaupt? Woher kommt die Ohnmacht?

Ich denke die Antwort auf diese Frage ist eine Ideologische: Seit fast zwanzig Jahren, leben wir unter dem Eindruck des Siegs des Kapitalismus über den Kommunismus. Eine ehemals bipolare Welt hat sich zu Gunsten eines unipolaren Systems aufgelöst und Kapitalismus, Marktwirtschaft und Freihandel haben sich scheinbar als die naturgegeben stärkere Variante durchgesetzt. Gleichzeitig war damit alles, was auch nur entfernt an Sozialpolitik oder staatlicher Einflussnahme erinnert, diskreditiert. Der Markt würde im Zweifelsfall schon seine Selbstreinigungskräfte ausspielen.
Und wer weiß, vielleicht hätte der Markt seine Wunderkräfte ja tatsächlich ausspielen können. Wenn nicht weltweit die Menschen festgestellt hätten, dass sie vielleicht doch nicht so große Lust darauf verspüren, diese Kräfte am eigenen Leib zu erfahren, wie vielleicht anfangs gedacht. (So wie auch die „Zu- und Abnahme von Karibu-Populationen“ ein bestimmt faszinierendes Beispiel für selbstregulative Prozesse in der Natur sein mag, solange man nur kein Karibu ist.)

Der 11. September 2001 ist in den Medien vielfach als historische Zäsur des 20. Jahrhunderts bewertet worden. Ich denke, das Jahr 2008, oder noch zu harrende Ereignisse im kommenden Jahr, den wirklichen Ausklang des vergangenen Jahrhunderts markieren, in dem materialistische Heilslehren nacheinander die Gelegenheit bekommen haben, sich als Unsinn zu erweisen.
Bleibt zu hoffen, dass das alles nicht mit einem Knall passiert, so wie am Ende „des langen 19. Jahrhunderts“

Öl

Posted November 17, 2008 by gedankenmulde
Categories: Geschichte, Landwirtschaft, Politik, Wirtschaft

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Zwar gibt es ein Thema, das momentan mehr unter den Fingernägeln brennt. Doch jetzt, wo ich Öl auch noch gehört habe, muss das Thema einfach dran:

Wie wohl jeder schon in der Schule gelernt hat, entsteht Erdöl aus abgestorbenen und zum Meeresgrund abgesunkenen Lebewesen, die – in Sediment eingelagert, dort unter Druck, Hitze und Ausschluss von Sauerstoff in Erdöl umgewandelt werden.

Vielleicht ist das jetzt etwas weit her geholt, aber was da so aus Schornsteinen und Auspuffen qualmt, hat vor Millionen Jahren einmal wirklich gelebt, ist nicht einfach nur so etwas wie eine flüssige Gesteinsschicht. Das was als Erdöl gefördert wird, ist eigentlich das Material vergangenen Lebens auf dieser Erde, eben nicht bloß eine geologische Schicht, sondern sozusagen Geschichte gewordene Natur. Die Grundlage unserer industriellen Gesellschaft ist nichts anderes als eine Zerfallsstufe biologischen Lebens.
Und da sind wir ja schon fast bei einem Klassiker angelangt, nämlich dem Gegensatz von natürlichem und industriellem Leben. Die Industrie, so sehr sie uns auf einer praktischen Ebene nützt, bedeutet auf einer Ebene der Menschlichkeit, oder des Lebenspotentials einen Verlust.
Lewis Mumford z.B. stellt schon für die Frühgeschichte einen Zusammenhang von technologischem Fortschritt (am Beispiel der Eisengewinnung und Waffenentwicklung) und lebensverachtenden Mythen (Menschenopfer) her.

Zum Thema Öl fällt mir aber auch noch was ganz anderes ein: Robert B. Marks Buch „Die Entstehung der modernen Welt“, in dem er einen nicht-eurozentristischen Blick auf die jüngere Weltgeschichte wirft und besonders auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen weltpolitischer Entwicklungen eingeht.
Nach seiner These erklärt sich die Vorherrschaft des Westens während der vergangenen 200 Jahre einer rasanten Industrialisierung, die wiederum im Wesentlichen im Zugriff auf fossile Brennstoffe begründet ist: Kohle und in weiterer Folge Erdöl standen – dem bis zum 18.Jhd kulturell und wirtschaftlich zumindest ebenbürtigen – China (sowie Ostasien im weiteren Sinn) einfach nicht zur Verfügung. Während sich Dampfmaschinen im Prinzip auch mit Holz befeuern ließen, hatte nach Marks der Zugriff auf fossile Brennstoffe für den Westen den Vorteil, dass die Produktion von Lebensmitteln und die von Energierohstoffen nicht mehr in einem Konkurrenzverhältnis um begrenzte landwirtschaftliche Anbaufläche standen.

Anfangs erschien mir diese These nicht besonders plausibel. Doch werfen wir ein Blick in die jüngste Vergangenheit werfen; ungefähr auf den Sommer 2008; eine Zeit also, da die Wirtschaftskrise noch nicht offiziell war: Angesichts des enorm gestiegenen Ölpreises, an dem Spekulation sicher einen Anteil hatte, der sich in erster Linie aber aus zunehmendem Verbrauch bei gleichzeitig begrenzter Förderung und einem sich anbahnenden Peak-Oil-Szenarios verdankt, entwickelt sich ein regelrechter Boom um Biosprit, der dazu auch noch politisch gefördert wurde (und wird?).

Gleichzeit explodieren die Preise für Agrarprodukte, für Weizen, für Mais, für grundlegenste Produkte des täglichen Lebens. Auch hier wird anfänglich allein die allmächtige Hand des Spekulanten vermutet, und erst langsam sickert die Einsicht durch, dass der Preisdruck von der Produktion erneuerbarer Energieträger kommt, der mit dem Anbau von Lebensmittel unmittelbar konkurriert.

Dabei geht es in Summe vielleicht 10% der Anbaufläche und das wo vielleicht 1-2 Jahre zuvor noch Ackerland quadrakilometerweiße brach gelegen ist: und zwar auf Grund landwirtschaftlicher Überproduktion!

Wir sehen, welche Verwerfungen, diese paar Prozentpunkte auslösen. Nachdem im August bereits Hungerepidemien drohten, müssen wir also für die Unfähigkeit der Finanzkapitäne sogar noch dankbar sein?

Angesichts dieser Entwicklungen hat Marks These für mich einiges an Überzeugungsfähigkeit dazugewonnen. Bei einer (aus ökonomisch Sicht) erreichten maximalen Förderkapazität von Erdöl, besteht die Tendenz den Energiebedarf zunehmend aus erneuerbaren (und damit auch biologischen) Ressourcen zu decken. Das übt Druck auf die Lebensmittelpreise aus, die grundlegenden Lebenserhaltungskosten steigen, Überschusskonsum bzw. Investitionen bleiben aus, was wiederum die wirtschaftliche Zugkraft einbremst. Vorausschau auf eine Krise, die dem von Marks geschilderten Szenario des 18. Jahrhunderts sehr ähnelt.

Im 18, Jahrhundert wurde die Nutzung fossiler Energieträger für dem Westen zum Ventil für den Bruch mit der alten Ordnung und verhalf ihm zum machtpolitischen Durchbruch. Was bedeutet das für die Weichenstellung des 21. Jahrhunderts (und zwar für die Zeit nach der aktuellen Wirtschaftskrise)?

Just another Obama-Post

Posted November 8, 2008 by gedankenmulde
Categories: Medien, Politik, Wirtschaft

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Ja, ich muss auch meinen Senf dazu abgeben!

Er  hat es also geschafft! Der erste schwarze Präsident der USA; rund um den Globus wird gejubelt und man wartet darauf, wie das mit dem in Aussicht gestelten Change ablaufen wird.

Dabei wäre sicher auch McCain – aus europäischer Sicht – ein interessanter Präsident gewesen, selbst wenn die ultrakonservative Palin das liberale Bild eingetrübt hat.
Erfrischend an Obama ist einmal, das das amerikanische Präsidentschafts-Clan-Unwesen endlich ein Ende hat. Nach Bush – Clinton – Clinton – Bush – Bush  folgt der nächste Präsident dieser Logik nicht mehr (mit ein Grund, warum er mir von Anfang an sympathischer war als Hillary Clinton).
In einer Wahl mit lauter Außenseitern in der Favoritenrolle hat sich der größte Aussenseiter durchsetzen können, mit dem Mittelnamen des Erzfeindes, wenn auch Christ.  Wohl zu recht ist dieser Mann ein Phänomen: die Rede, mit der er auf die Angriffe wegen seines Pastors reagiert hat sucht seinesgleichen. Er distanziert sich nicht einfach nur, er holt aus, durchbricht das Gemunkel um Rasse, Geschlecht und Religion, mit dem seine politischen Gegner und auch die Presse spielen. Er spricht die Probleme offen an, verknüpft sie dann auch noch mit dem amerikanischen Gründungsmythos und wendet das alles gegen seine Kontrahenten.
Das ist Politik, wie man sie sich im 21. Jahrhundert nur wünschen kann: Nach Jahren inhaltsleeren NLP-Gebrabbels, kommt plötzlich einer auf die Bühne, und schafft es, mediale Schlagfertigkeit mit sachlichem Tiefgang zu verbinden. Gerade letzteres kann man leicht übersehen, wenn die populistische Komponente wieder stark in den Vordergrund rückt (und manchmal richtig lustig werden kann, wie bei der Berlin(!)-Rede, bei der seine Ausführungen, warum sich Europa stärker in der Welt engagieren muss immer wieder von Pfiffen und „I love you“-Schreien übertönt wird. Fast schon wie bei einem Großkonzert.
Bisher konnte er sich ausgiebig bei Kennedy, King, den Gründervätern und bei wem weiß ich noch bedienen. Doch wie wird seine eigene, politische Gangart der Gegenwart aussehen?

Es geht um die Wirtschaft. Und es ist mehr als dringend.
Doch vorerst ist Warten angesagt: Bis zum festgeschriebenen Termin im Januar  ist es noch lange hin, eine fast zynische Zeitspanne angesichts der Situation. Es müssen eben nicht immer nur Koalitionsverhandlungen sein, die Politiker vom Handeln abhalten.

Und noch etwas zur Landwirtschaft…

Posted November 2, 2008 by gedankenmulde
Categories: Landwirtschaft

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Wochenends Weinverkosten in Carnuntum. Das gibt für mich einen Anknüpfungspunkt zu meinem letzten Post:
Vielleicht ist das ja alles nur ein eingetrübtes Selbstbild… Und doch kommt es mir so vor, als wäre die österreichische Landwirtschaft nicht dem enormen Druck ausgesetzt, wie das in England oder Frankreich der Fall ist. Ich erinnere mich (sinngemäß) an ein Zitat meines Professors: „Wenn du nur langsam genug gehst, tauchen diejenigen, die voraus gelaufen sind,  hinter deinem Rücken wieder auf.“

Es ist so als hätte die Hartnäckigkeit, mit der in diesem Land an Traditionen festgehalten wird, heute, in dieser übersättigten Industriegsellschaft in der wir leben,  wieder einen herausragenden Stellenwert bekommen; das Besondere, das Unikat, das mit dem jeweiligen Boden Verhaftete, bedeutet plötzlich einen neuen Reichtum, mit dem standardisierte Massenware nicht mithalten kann.
Biologischer Anbau, das Wissen um Tradition, Naturnähe, Ursprünglichkeit, das sind die Schlagworte.
Natürlich haben auch hierzulande Milchbauern gestreikt, aber tortzdem, es gibt einen Markt für teurere und qualitativ hochwertige Produkte.
Dass Nahrungsmittelqualität im anglikanischen Raum nicht das Thema ist, überrascht mich weniger. Aber dass es gerade in Frankreich, dem ofiziellen Musterland des Genusses und der Herkunftsbezeichnungen, nicht anders steht?
Warum ist das so? Liegt es am Marketing? Oder gar an einer klugen Förderpolitik?
Haben sich Sturheit und Konservativismus etwa als Segen für das Land erwiesen?
Oder ist das, wovon ich hier schreibe, bloßes Nischenphänomen für Bessergestelte, denen der Wein den Blickgetrübt hat?

Ein bißchen einschlägige Terminologie dazu?

Der Beinschinken“ –> nicht irgendeiner, sondern ein Bestimmter, ein Besonderer.
„Der Blaufränkisch vom Soundso“ –> auch der Winzer ist kein Unbekannter, man kennt ihn, sozusagen wie den Nachbarn nebenan, oder sogar ein Freund.

Moderne Produktionsverhältnisse

Posted Oktober 26, 2008 by gedankenmulde
Categories: Film, Wirtschaft

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Ich bleibe beim Film. Schließlich ist Viennale.
Ganz ohne rationale Planung ist ein Doku-Wochenende daraus geworden, und zwar mit folgenden Titeln:

Das Thema aller dieser Filme ist das Verschwinden traditionell verankerter Lebens- und Arbeitsweisen unter den Zwängen der modernen Ökonomie.
In Europa wird der ländliche Raum immer weniger zu einem Ort wo Menschen leben und in und mit der Natur arbeiten. Stattdessen versteppt das Land oder wird im besten Fall zu einer Art Freilichtmuseum, in dem ehemalige Höfe zu schicken Zweitwohnistzen umfunktioniert werden.
Derweil verlagert sich die eigentliche Produktion in Entwicklungsländer, wo weder soziale noch ökologische Standards durchgesetzt werden (können).

Das sind nun alles altbekannte Geschichten und ein bisschen Marxismus ist inzwischen ja auch wieder en vogue, irgendwie. Worauf ich letztendlich hinaus will…?

Diese Frage beschäftigt mich auch persönlich. Ich selbst bin vom Land in die Stadt gezogen. Und wozu führt das? Dass ich ins Kino(!) gehe um Dokumentationen über das Leben am Land anzusehen! Dabei kenne ich das doch alles! In meiner Kindheit habe ich viele Ställe von innen gesehen, bin am Traktor mitgefahren, wenn gemäht wurde. Und natürlich sind das auch positive Erinnerungen!
Aber letztendlich bin ich sehr froh in einem urbanen Umfeld zu leben, weil gerade am Land die Nähe zur Natur geradezu in Opposition zur Kultur gestellt wird. Weil all die schönen Freiheiten und Annehmlichkeiten im städtischen Raum zu finden sind. Und wer will denn schon darauf verzichten, gerade heutzutage?

Was bleibt ist eine Sehnsucht nach so etwas wie Ursprünglichkeit. Und dann doch wieder die Frage nach der Lebensqualität. Denn Gegessen wird auch in der Metropole…

.Anfangen

Posted Oktober 21, 2008 by gedankenmulde
Categories: Film, Persönlich

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Schon wieder so ein Kultfilm.

Donnie Darko: nun schon zum zweiten Mal gesehen. Und ich hatte ja erwartet, dieses Mal aber besser durchzublicken, schließlich wusste ich ja schon, worauf die Story hinauslaufen würde.
Und trotzdem ist so ein ungutes Gefühl geblieben, zu sehen, dass auch dieses Mal alle im Lauf der Handlung ausgelegten Fäden am Ende zusammenkommen. Nur dass ich erst wieder versäumt habe, WIE sich denn eigentlich alles so gefügt hat.

Nach einer überlange Nacht im IMDB-Forum hat sich dann diese Expertenmeinung der Filmfreaks heraus kristallisiert:
Die 28 Tage, die Donnie verbleiben, sind nichts als ein Durchgang auf der ewig klemmenden Möbiusschleife des Universums und Donnie eine Art der kosmischer Klempner – oder eben Held, der das Rohr am Ende frei bekommt.
Ob das nun eine treffende Interpretation ist oder nicht, ist nicht so wichtig. Das jedenfalls Spannende dabei: Unter diesem Gesichtspunkt gleichen sich Inhalt und Strukur des Films. Dem Zuschauer geht es ganz genau so wie Donnie, er ahnt, dass da noch etwas ist, dass da noch mehr sein muss, aber er kommt nicht dahinter. Er muss die Story immer und immer wieder durchlaufen, bis er am Ende den Durchblick bekommt.
Donnie innerhalb des Films und der Zuschauer beim… Zuschauen.

Was hat das aber mit dem Anfang hier zu tun?

Ein Blog ist etwas Fortlaufendes, das von Tag zu Tag von Woche zu Woche führt. Und doch muss ein erster Eintrag eben sein. Aber auch der kommt nicht aus dem leeren Nichts, aus der informationellen Funkstille. Weder ist das mein erstes Blog noch mein erster Post, und noch weniger mache ich mir das erste Mal Gedanken über das, was hier noch folgen soll.
Und genauso ist das auch mit meinem Leben und der Welt in der ich lebe. Es ist nichts neu. Und die Fäden sind längst alle gespannt. Und vielleicht gelingt mir ja, die eine oder andere Verknüpfung durch das Schreiben festzuhalten, von alldem, das sonst so flüchtig durch meine Gedanken davon gleitet.

Ein Logbuch also….?